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Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

1.Petrusbrief 1,3 - Wochenspruch am 1.Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti)

 

 

Wann fühlen Sie sich „wie neu geboren“? Nach einem langen Winter in der wärmenden Frühlingssonne? Nachdem Sie sich mal so richtig ausschlafen konnten? Nachdem Sie eine schwere Zeit durchgestanden haben, eine Krankheit, eine Streßzeit, große Sorgen - und nun das erste Mal wieder den Kopf heben können und erkennen: Die Welt ist nicht schwarz und nicht grau, sondern bunt und farben-froh?

Ostern eröffnet solche neuen Horizonte. Zu Ostern siegt das Leben über den Tod. Niemand konnte zuvor je dem Tod für immer entgehen. Nun aber durchkreuzte Gott mit der unbändigen Kraft seiner Liebe die grausame Leere des Todes. Vom auferstandenen Christus her ist die Welt „wie neu geboren“.

Vieles kann man rühmen in der Zeit des erwachenden Frühlings: Das aufkeimende Grün der Natur, die Frühlingsgefühle der Menschen, Zeit für Ausflüge an frischer Luft und vieles mehr. Aber nur eines weist über das schöne Hochgefühl des Augenblicks hinaus. Leider nehmen das heute die allermeisten Menschen hierzulande einfach nicht mehr wahr. Nein, Ostern ist nicht ein x-beliebiges Frühlingsfest mit ein paar freien Tagen, an dem der „Osterhase“ im Zentrum herumhoppelt und bunte Eier verteilt! Davon ist niemand „neu geboren“. Unsere Hoffnung ruht auf Christus, durch dessen Tod und Auferstehung wir Christen neu geboren worden sind.

In der alten Kirche wurden die Täuflinge oft in der Osternacht getauft. Und in ihren weißen Taufkleidern erschienen sie dann am folgenden Sonntag wieder im Gottesdienst, um das neue Leben zu feiern. Es waren damals in der Regel Erwachsene. Der 1.Sonntag nach Ostern hat von daher seinen lateinischen Namen: „Quasimodogeniti“ = „wie die neu geborenen Kinder“. Durch die Heilige Taufe sind wir Christen alle in besonderer Weise zu Gotteskindern geworden, sozusagen neu hineingeboren in die besondere Gemeinschaft mit Gott und allen, die zu ihm gehören. Und wir sind damit auch hineingeboren in die besondere Hoffnung der Christenheit. Uns gehört das Leben in dieser Welt als anvertrautes Gut. Darüber hinaus haben wir in Jesus Christus den Zugang auch zum ewigen Leben bei Gott. Da dürfen wir es uns ruhig wieder einmal sagen „Ich fühle mich wie neu geboren.“

So viele Menschen sind auf der Suche nach einem glücklichen, erfüllten Leben. Manche sind geflohen vor unvorstellbarem Leid, geradewegs der Hölle entronnen. Manche von ihnen entdecken hier bei uns das erste Mal, was neues Leben sein kann, Befreiung von Haß und Zwang, freie Entscheidung zum

Glauben an Christus, an die Güte Gottes, der nicht den Tod des Sünders will, sondern sich selbst opfert, damit der leben kann. Manche lassen sich taufen, jetzt, in dieser Zeit, ganz in unserer Nähe, werden dafür mit dem Tod bedroht.

Sie beschämen uns - uns bequeme Fernsehzuschauer, die kaum noch wissen, was Ostern ist, und welche Kraft die Auferstehungsbotschaft einst hatte. Ist das vielleicht gerade Gottes Barmherzigkeit, daß er diese Menschen zu uns schickt, damit wir wieder neu unsere eigenen Wurzeln entdecken, mit dem Kopf und mit dem Herzen? Gönnen Sie sich das ruhig in vollen Zügen, sich in Christus „wie neu geboren“ zu fühlen. Das verbindet - mit Gott, mit der Kraft seines Heiligen Geistes und auch mit unseren Mitchristen, den alten und den neuen. Darüber hinaus erkennen wir wieder besser den Wert des Lebens und können so auch barmherzig an denen handeln, die Christus noch nicht für sich entdeckt haben.

 

Ihr Pfr.Frank Fischer