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Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

2.Korinther 3,17 - Monatsspruch für Oktober 2016

„Ich bin so frei...“ - früher war das eine Floskel. Sie sollte Zurückhaltung und Bescheidenheit ausdrücken. Heutzutage ist meine persönliche Freiheit etwas ganz selbstverständliches. Und wehe dem, der sie mir einschränken will! „Ich, das Individuum, der Mensch, bin das Maß aller Dinge! Alles um mich herum hat dafür zu sorgen, daß ich meine persönlichen Freiheiten ausleben kann.“ So denkt man heute in unserer Gesellschaft weithin. Doch was ist Freiheit eigentlich? Ist es das unerschöpfliche Angebot von konsu-mierbaren Dingen, das uns seit mindestens 25 Jahren mit aller Macht und in Farbe aufgedrängt wird - unter dem Begriff Freiheit ...? Ist es die „Rei-sefreiheit“? Ist es die Meinungsfreiheit, und die Entscheidungsfreiheit?

Mit den vielgepriesenen „gesellschaftlichen“ Freiheiten haben wir alle schon so unsere Erfahrungen machen müssen, gerade auch in den letzten 25 Jahren. Vieles von den schönen Schlagworten erwies es sich im Nach-hinein als Mogelpackung. Darüber gäbe es viel zu erzählen.

Viel wichtiger ist jedoch die Frage nach dem Verhältnis von meiner per-sönlichen Freiheit und Gott. Welche Rolle spielt Gott für meine Freiheit? Welchen Stellenwert billige ich ihm in meinem Leben zu? Wo bin ich bereit, meine persönliche Freiheit freiwillig und ohne Zwang um Gottes Willen einzuschränken?

An diesen Fragen entscheidet sich letztlich alles. Denn ich kann zwar mein Ich, meine selbst gesetzten persönlichen Freiheiten ausleben. Doch bin ich genau darin dann auch gefangen. Mit dem Begriff „Sünde“ beschreibt die Theologie dieses „in sich selbst verkrümmte Ich“.

Wirkliche Freiheit ist geschenkte Freiheit. Wer kann sie schenken? Ein politisches System? Mein Vorgesetzter? Meine Bank? Wohl kaum!

Gott schenkt Freiheit. „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ Doch diese Freiheit bleibt allen denen verborgen, die nicht auf Gottes Güte ver-trauen. Wer Gott nur für den „bösen Alten“ hält, der nichts weiter macht, als argwöhnisch die Fehler der Menschen zu notieren und sie dann dafür zu bestrafen, der kann kein Vertrauen zu Gott finden. Genauso wie sich ein Mensch ihm nicht anvertrauen kann, der Gott für einen Wunschautomaten hält und sich dann enttäuscht abwendet, wenn das nicht so funktioniert.

Freiheit fängt für mich zunächst darin an, daß mir Gottes uneingeschränkte Liebe und Zuwendung gilt – sogar mir sündigem Menschen! Und aus die-sem Ja heraus bietet Gott allen Menschen die Befreiung an, von Sünde und Schuld, von Last und Zwang. Wir sollen im Vertrauen auf Jesus Christus „vollkommene Freiheit“ erlangen. Diese Freiheit, weil sie auf innerer Be-freiung basiert, kann selbst dann noch erlebt werden, wenn äußere Freihei-ten massiv eingeschränkt sind. Als Beispiel seien hier nicht nur unsere Jun-ge-Gemeinde-Erfahrungen aus den 70er und 80er Jahren genannt, sondern auch die beeindruckenden Zeugnisse der verfolgten Christen im Nahen Osten aus den heutigen Tagen. Ihre innere, von Gott geschenkte Freiheit gibt ihnen die Kraft, unsagbar schlimmes Leid, Krieg, Verfolgung, Flucht,

ja den Verlust aller äußeren Freiheiten zu ertragen. Das heißt nicht, daß wir nicht alles dafür tun sollten, daß auch ihnen endlich ein menschenwürdiges Überleben ermöglicht wird. Ganz im Gegenteil! Wir sollten nur im Hinblick auf das Ergehen anderer Menschen die Masse der Freiheiten selbstkritisch betrachten, die wir uns gönnen. Und wir sollten wieder mehr den Blick auf die von Gott geschenkte innere Freiheit richten.

„Ich bin so frei, ich bin Christ.“ Fast meint man heute schon, sich dafür entschuldigen zu müssen. Doch da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Unsere Freiheit im Geiste Gottes bietet für das Leben allemal mehr Möglichkeiten als alle selbstgenommenen Freiheiten, die „man“ sich heute so gönnt.

 

 

Ihr Pfr.Frank Fischer

Gott nötig haben, ist nichts,

dessen man sich schämen müßte,

sondern es ist die Vollkommenheit,

und es ist am traurigsten, wenn etwa ein Mensch durchs Leben ginge, ohne zu entdecken,

daß er Gott nötig hat.

Sören Kierkegaard